Mehr Zuschuss für StudentInnen: BAföG Reform 2019

Bafoeg Reform 2019

Der BAföG-Höchstsatz erhöhte sich zu Beginn des Wintersemesters 2019/20 um 5 Prozent. Der Betrag für auswärtiges Wohnen erhöhte sich von 250 EUR auf 325 EUR. Beantragen lohnt sich!

BAföG-Leistungen zum Wintersemester 2019/20 erhöht!

Die BAföG-Leistungen werden deutlich angehoben, auch das Einkommensgeld der Eltern wurde auf einen deutlich höheren Betrag erhöht. Studierende, die noch nicht den vollen Höchstbetrag an Leistungen erhalten haben, können ab dem Wintersemester 2019/20 mit deutlich mehr BAföG rechnen.

Was sich (unter anderem) ändern wird:

  • Der BAföG-Höchstsatz erhöht sich zum Wintersemester 2019/20 für Studierende unter 25 Jahren auf 744 EUR, für Studierende unter 30 Jahren auf 853 EUR und für Studierende über 30 Jahre auf 933 EUR (ab Herbst 2020: 752 EUR, 861 EUR bzw. 941 EUR)
  • Wohngeld für BAföG-geförderte Studierende, die nicht bei ihren Eltern wohnen, erhöht sich von 250 EUR auf 325 EUR
  • In einem ersten Schritt werden die Sätze im Herbst 2019 um 5 % und im Herbst 2020 nochmals um 2 % angehoben
  • Freiwillig zahlende Kranken- und Pflegeversicherungen (z.B. ab 31 Jahren) erhöhen den bewilligten BAföG-Betrag (bis) auf 933 EUR pro Monat
  • Die Einkommensbeihilfen der Eltern werden erhöht. Ab Herbst 2019 dürfen Eltern ein um 7 % höheres Einkommen haben, bevor es auf BAföG-Leistungen angerechnet wird (Erhöhungen um weitere 3 % im Herbst 2020 und um weitere 6 % im Herbst 2021)
  • Für Kinder von Studierenden (bis 14 Jahre) wird auf Antrag ein Kinderbetreuungszuschlag von 140 EUR pro Monat als Zuschuss pro Kind gezahlt. Im Herbst 2020 erhöht sich der Betrag auf 150 EUR. Vorher waren nur Kinder bis zu zehn Jahren eingeschlossen
  • Personen, die enge Angehörige pflegen (mindestens Pflegestufe 3), haben Anspruch auf Unterstützung über den maximalen Unterstützungszeitraum hinaus

Ausführliche Informationen zum neuen BAföG auf der Website des Deutschen Studentenwerks

Was ändert sich noch?

Die Hälfte des Gesamtbetrags der bezogenen BAföG-Leistungen muss erst fünf Jahre nach Ablauf der Förderungshöchstdauer (nach dem ersten Abschluss) amortisiert werden.

Neu: Die Amortisation erfolgt in einkommensabhängigen monatlichen Raten, maximal jedoch in Höhe von 130 EUR monatlich. Nach 77 Raten, maximal 10.010 EUR, wird die Restschuld getilgt.

Wenn ein Studierender z.B. für sechs Semester des Bachelor- und vier Semester des Masterstudiums den BAföG-Höchstsatz erhält, also insgesamt 51.660 EUR, muss er nur noch ein Fünftel des Betrages (max. 10.010 EUR) zurückzahlen – günstiger kann man sein Studium nicht finanzieren!

Studierende, die aus Gründen, die vom BAföG-Amt nicht anerkannt werden, bis zu zwei Semester länger brauchen, um ihr Studium abzuschließen, können jetzt “Hilfe zum Abschluss” erhalten.

Dabei handelt es sich um ein zinsloses Darlehen, das vollständig zurückgezahlt werden muss (sogenanntes Volldarlehen). Voraussetzung ist, dass man innerhalb von vier Semestern nach Ablauf der Förderungshöchstdauer zur Abschlussprüfung des jeweiligen Studiengangs zugelassen wird.

Die Universität muss dann bestätigen, dass der Studiengang innerhalb der folgenden 12 Monate abgeschlossen werden kann. Die Rückzahlung des Darlehens ist erst nach Rückzahlung des regulären BAföG erforderlich (siehe Beispiel 5).

Es gibt auch negative Folgen der Bafoeg-Reform.

Beispiele für mehr Bafoeg

Beispiel 1: Verheiratete Eltern / Arbeiter& regulärer Angestellter / Geschwister

Ihre Eltern sind miteinander verheiratet. Ihr Vater ist ein Arbeiter mit einem jährlichen Bruttogehalt von 25.000 EUR. Ihre Mutter arbeitet als Arbeitnehmerin und erzielt ein Bruttogehalt von 30.000 EUR.

Zusammen zahlen sie jährlich 8.000 EUR an Steuern. Neben Ihnen, dem Studenten, gibt es noch ein weiteres Kind, das die Schule besucht und kein eigenes Einkommen hat.

Künftig werden 188,66 EUR statt 260,40 EUR monatlich auf das Einkommen der Eltern angerechnet. Sie erhalten dann 555 EUR pro Monat statt 389 EUR.

Beispiel 2: Verheiratete Eltern / beide selbständig erwerbstätig / Geschwister

Ihre Eltern sind miteinander verheiratet. Beide sind selbständig. Ihr Vater hat ein Gesamteinkommen von 60.000 EUR, das Gesamteinkommen Ihrer Mutter beläuft sich auf 15.000 EUR. Sie haben auch eine Schwester im Schulalter ohne Einkommen.

Künftig werden 231,00 EUR statt 321,75 EUR pro Monat auf das Einkommen Ihrer Eltern angerechnet. Sie erhalten eine monatliche Leistung von 513 EUR statt bisher 327 EUR.

Beispiel 3: Eltern geschieden / keine Geschwister

In diesem Beispiel sind beide Elternteile geschieden. Ihr Vater ist selbständig und erzielt ein jährliches Gesamteinkommen von 25.000 EUR. Er zahlt 2.800 EUR an Steuern. Ihre Mutter ist Beamtin und hat ein Gesamteinkommen von 33.000 EUR pro Jahr, wovon 4.800 EUR versteuert werden. Sie haben keine Geschwister.

Künftig werden 349,38 EUR statt 396,25 EUR auf das Einkommen Ihrer Eltern angerechnet. Dadurch erhalten Sie 395 EUR statt 253 EUR.
Beispiel

4: Eltern verheiratet / beide fest angestellt / keine Geschwister

Ihr Vater ist erwerbstätig und verdient jährlich 33.000 EUR. Ihre Mutter ist ebenfalls erwerbstätig und verdient 28.000 EUR pro Jahr. Beide sind verheiratet und zahlen 9.000 EUR an Steuern. Sie sind der einzige Sohn Ihrer Eltern, aber Sie haben aufgrund des Einkommens Ihrer Eltern keine BAföG-Leistungen erhalten.

Künftig erhalten Sie 92,00 EUR und müssen den Rundfunk- und Fernsehbeitrag nicht bezahlen, da Sie BAföG-Leistungen erhalten.

Der finanzielle Vorteil durch die BAföG-Neuregelung beträgt 1.104 EUR pro Jahr!

Beispiel 5: Amortisation & Hilfe zum Studienabschluss

Die antragstellende Person erhält während der regulären Studiendauer BAföG-Leistungen in Höhe von 40.000 EUR. Anschließend erhält der Antragsteller 10.000 EUR als “Hilfe zum Studienabschluss” als volle Darlehenshilfe zum Abschluss des Studiums.

Da es sich bei der Hälfte der erhaltenen BAföG-Leistungen um ein Darlehen handelt und die andere Hälfte nicht zurückgezahlt werden muss, beläuft sich der Rückzahlungsbetrag auf 20.000 EUR. Das Darlehen “Hilfe zum Studienabschluss” ist ein Volldarlehen. Demzufolge muss die Person 30.000 EUR tilgen.

Die Tilgung beginnt fünf Jahre nach Ablauf der maximalen Förderungsdauer. Zunächst muss das BAföG-Darlehen in monatlichen Raten von je 130 EUR getilgt werden. Nach 77 Raten, insgesamt 10.010 EUR, wird der Rest des Darlehens zurückbezahlt. In unserem Beispiel muss der Darlehensnehmer 9.900 EUR nicht tilgen.

Mit der 78. Rate beginnt die Rückzahlung des Darlehens “Hilfe für den Studienabschluss”. Da es sich um ein Volldarlehen handelt, muss der Gesamtbetrag von 10.000 EUR getilgt werden.

Von den insgesamt 50.000 EUR an Fördermitteln muss der Antragsteller nur 20.010 EUR zurückzahlen.

Fragen zum Antragsverfahren?

Antrag und Informationen

Allgemeine BAföG-Hotline: 0800 223 63 41 (Mo – Fr 8.00 – 20.00 Uhr, gebührenfrei)

Website zum neuen BAföG des Bundesministeriums für Bildung und Forschung

Für allgemeine Fragen zum BAföG-Antrag besuchen Sie bitte die BAföG-Servicestelle im Studenten-Service-Center (SSC).

Vergessen Sie nicht, auch wenn Sie nur geringe BAföG-Leistungen erhalten:

Die Hälfte davon muss nicht zurückgezahlt werden und BAföG-geförderte Studierende sind vollständig von den Fernsehgebühren befreit.